ich war lange unterwegs, um bei mir selbst anzukommen.
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback

http://myblog.de/verstecken

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
3

Guten Morgen ||. Das Herz will noch immer nicht. Sich beflügeln. Ich frage mich wie es mir früher möglich war, so frei heraus Blogeinträge zu verfassen. Vielleicht war es möglich, weil ich in ein gewisses, geschütztes Umfeld gebettet war, vertraute Leser. Wenn ich auch immer schrieb, man schriebe nur für sich, es sind doch auch immer die Leser, die das Scheiben schreibenswert machen. Nun, wie dem auch sei. Der heutige Tag ist sonnig. N. ist in Mexiko gelandet, ich habe meine erste Tasse Kaffee getrunken, alles sehr unspektakulär, und W. gesagt, dass ich nicht mit ihm aufs Konzert gehen werde, weil ich glaube, dass W. sich selbst nicht über seine Beweggründe im Klaren ist (das habe ich ihm aber nicht gesagt). || Vielleicht bin auch ich selbst mir nicht ganz im Klaren. W. ist einer von denen, die ich immer überflügeln wollte, weil sie mir angestaubt erschienen, so korrekt, so zielstrebig und ehgeizig. Ich wollte zeigen: Durch Liebe lässt sich mehr erreichen als durch Eifer. Und nun erzählt er mir, dass ich eingeschlagen hätte wie ein Blitz in seine Seelenlandschaft, dass er sich vom Musterstudenten weg entwickeln wolle. Das absurde ist aber, dass ich jederzeit gerne diese Musterstudentin gewesen wäre, das Mädchen, das man vorzeigt, dem man die Stipendien hinterher wirft. ... Dass er das alles nun ausgerechnet wegen mir nicht mehr schätzt, erscheint mir lächerlich. Ich denke, meine Absage wird ihn verletzen, weil er es persönlich nehmen wird, doch die Sache ist noch viel generellerer Natur. In einem heimlichen Winkel meines Hirns, denke ich noch immer an S., dessen Mail ich mich nicht mal zu lesen traue, obwohl da sicher nur ein Satz stehen wird, und das seit bald einer Woche. Ich öffne mein Mailfach und spare seine Mail ängstlich aus, weil ich nicht lesen möchte, dass ihn mein Verhalten nervt, dass ich mich lächerlich mache oder entblöße, weil ich nicht lesen will, dass er eine Freundin hat und an mir nicht interessiert ist. Da sind also diese Gedanken an S., und komische Gedanken, auch schleicht sich mir die Aussage ein, Frauen könnten nur lieben und sich nur über Männer definieren. Wären sie doch mehr so wie die Männer und würden sich anhand ihrer eigenen Taten definieren. Und genau das habe ich vor. Ich will mich nicht an Beziehungsverstrickungen aufhängen, sondern viel mehr irgendwann meinen Namen als ein Objekt betrachten, das zwar zu mir gehört, dennoch aber weit von mir entfernt ist. Eine Loslösung war wohl immer mein innigster Wunsch und nicht das Gebundensein. || Eben deshalb gelang es mir bislang auch nicht, trotz S. anfänglichen, offensichtlichen Interesses, ihm nahe zu treten, denn ich würde mich wirklich in ihn verlieben wie ein kleines Mädchen und das ist meinem Alter nicht mehr angemessen. Man(n) erwartet eine möglichst reife, selbstbewusste Frau; oder vielleicht ist das auch nur mein eigener Eindruck, wer weiß schon immer, was die anderen tatsächlich wollen und denken. Vielleicht bin ich ihm nicht mal einen Gedanken wert. Ich habe einen Essay von S. gelesen, zufällig, er schrieb darüber über ein Mädchen, in das er sich mal verliebt hätte, mit Zahnspange und so, alles voll goldig, ja, es war: einfach goldig, es war so ein Herzknuff, was schreib ich. All diese flüchtigen Begegnungen mit ihm, wenn ich reinkomme und er seinen Blick senkt, aber noch eine Weile auf meinen Körper schaut (oder bilde ich mir auch das ein?), wie ich reinkomme und er mich anlächelt, wie sich unsere Gedanken verlieren in unseren Augen, die einander ausweichen ins unergründbare Nichts oder ein anderes Gegenüber ansprechen, und wie ich lächelte, in seiner Gegenwart, wie er die blaue Mütze über den Kopf zieht, wie ich verplant an ihm vorbei renne, wie er mir hinterher schaut, wie ich den Kaffee über seiner Jacke ausleere. Bilde ich mir all das nur ein? Ist an all dem wirklich nichts dran? Habe ich dermaßen an der Realität vorbei phantasiert? Oder war mein sonstiges Verhalten so schlimm? Ich wollte immer selbstsicher wirken, ich wollte auch ihm, und vor allem mir selbst wohl zeigen, dass ich nicht verletzbar bin. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich nicht verletzbar bin, ich wollte mich selbst davon überzeugen, dass ich nicht verletzbar bin, ich will nicht verletzt werden. Dann war da dieses Gespräch und seitdem ist alles irgendwie anders. Er sprach am Telefon und es hörte sich so an, als spräche er mit seiner Freundin und ich fragte mich, ob unsere Begegnungen tatsächlich so wenige Funken gehabt haben. Ob ich tatsächlich so eine gewöhnliche, leicht auswechselbare Frau geworden bin, wobei er mich ja noch nicht einmal auswechseln musste. Und wieder definiere ich mich nur über das, was Männer über mich denken.
12.2.12 09:35
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung